Diskussionsforum für alle

Antwort erstellen


Diese Frage dient dazu, das automatisierte Versenden von Formularen durch Spam-Bots zu verhindern.

BBCode ist eingeschaltet
[img] ist eingeschaltet
[flash] ist ausgeschaltet
[url] ist eingeschaltet
Smilies sind ausgeschaltet
Die letzten Beiträge des Themas

Editor aendern

   

Ansicht erweitern Die letzten Beiträge des Themas: Diskussionsforum für alle

Dean und Ramona mit kleinen Zellen

Beitrag von bee » So Jan 21, 2018 8:37 pm

Dean Stieglitz und Ramona Herboldsheimer führen eine kleinzellige, behandlungsfreie Imkerei in Leominster, Massachusetts

Sie haben ein Buch herausgegeben:
Der komplette, idiotensichere Leitfaden für die Imkerei
https://www.amazon.com/Complete-Idiots- ... 1615640118

Bild

Bild
von links ist der zweite Michael Palmer, der dritte Michael Bush, dann Dean Stiglitz, Dee Lusby,
Erik Österlund, Ramona Herboldsheimer and Sam Comfort.

Vortrag von Dean Steaglitz über sein Buch The Complete Idiot's Guide to Beekeeping:
https://www.youtube.com/watch?v=aW31_UU3syE

Bild

Ramona beim Honigverkauf "Golden Rule Honey"
Bild

Re: Re:Mehring

Beitrag von bee » So Jan 21, 2018 7:38 pm

hallo ralph,
ralph hat geschrieben:dzierzon war dann eifersüchtig weil er von einem seiner schüler übertroffen wurde...berlepsch hatte meines wissens zuvor keine stehenden rähmchen


das hab ich dazu gefunden - zu Beginn stellte anscheinend Berlepsch seine Rähmchen, aber die wurden angeklebt von den Bienen, sodass er sie später hängte , nachdem er es bei Dzierzon gesehen hatte:
Bild
wenn dich und andere die historische bienenliteratur interessiert, google : sammlung apidologie - dort ist sehr viele alte imkerliteratur digitalisiert zu lesen. dort hab ich auch die infos über berlepsch her...


ok aber wie kann ich in den Apidologie Büchern lesen? Kann da nix öffnen.
:verwirrt:

interessant was du gefunden hast, dass schon mehring offenbar die zellen vergrösserte...ich denke trotzdem dass er eine standardzelle anstrebte, die überall passt, die arbeitsbienen werden etwas grösser, die drohnen etwas kleiner, und im honigraum passts sowieso... spart auch wachs gegenüber kleinen zellen, vielleicht war auch das eine überlegung mehrings??


ja klar, aber die Auswirkungen waren katastrophal für die Bienen!

nur liegen bei mehring dann, falls er dieses system hatte, die zellen mit der spitze seitlich, was auch meine bienchen im naturbau machen, die zellenlage ist da ganz unterschiedlich, das habe ich auch schon öfter gelesen. das geht natürlich dann mit housels beobachtungen nicht ganz
zusammen...


Also die Top Bar Hives die ich hatte bauten alle mit den Ypsilons nach oben bzw nach unten, nicht seitlich liegend!
Seitlich liegend werden von den Wildvölkern nur die Zentralwabe gebaut - hier unten beschreibt Dee genau warum!!!

die anthroposophen behaupten ja die zellstellung hängt mit der harmonie im volke zusammen(mathias thun - ist der eigentlich auch schon mit den kleinen zellen dabei?)


Als ich vor ein paar Jahren bei einem Vortrag von Mathias Thun in der Nähe von Madrid war hat er nichts von der zellstellung erwähnt. Spricht er jetzt darüber? Das wäre ja nett, denn von unserer Arbeit wollten die bisher absolut nichts wissen!

wäre interessant ob housel seine beobachtungen an einem imkervolk gemacht hat oder bei wilden bienen, die lange schon ungestört in ihrem stock lebten?


Die natürliche Wabenanordnung kommt von Houssel und von Ed&Dee Lusby. Beide haben das an WILDVÖLKERN beobachtet. Du kannst das nicht auf Völker in Beuten übertragen, denn das sind total andere Situationen.
Du musst dir vorstellen, dass Ed&Dee Lusby ihre Imkerei praktisch auf das fangen von Wildvölkern aufgebaut haben. Die haben hunderte solche Völker eingefangen und dafür extra Scharmfangrähmchen entworfen, die mit Scharnieren versehen waren, um die Waben der Wildvölker darin einzuquetschen. Sie haben die natürliche Wabenanordnung bei all diesen wildvölkern beobachten können. Die Lorbeeren beließen sie dem Imker Housel, weil der damals sehr schlecht da stand. Von Staats wegen wurden ihm alle Völker abgebrannt, weil er nicht behandelte. Seither hört man nichts mahr von ihm!
Das beschreibt Dee auf mehreren Seiten:
https://resistantbees.com/blog/?page_id=877

irgendwas muss ja daran sein weil die housel positionierung offenbar bei vielen in der anwendung funktioniert...


Da ist nicht was dran sondern die Bienen machten das immer so bis wir sie vergewaltigt haben.
Warum die Bienen das so machen beschreibt Dee hier:
https://resistantbees.com/blog/?page_id=1048
übersetzt auszugsweise:
Nach der Zugabe von leeren, ausgebauten Waben oder von honigfeuchten Waben stellt der Imker manchmal ein Umweiseln des Volkes zu ungünstigen Zeiten des Jahres fest. Ähnliches kann passieren, wenn der Imker Mittelwände zum Ausbauen ins Brutnest hängt. Plötzlich werden Weiselzellen angepflegt. Auch wenn man seit dem Vorjahr gar nichts am Brutnest geändert hat, kann ein plötzliches Umweiseln einsetzen, obwohl man genau weiß, daß die Königin jung ist und so was nicht passieren sollte. Das kann besonders frustrierend sein, wenn gerade gute Tracht herrscht, oder wenn man wegen eines besonderen Zuchtprogramms, jedes Jahr die Königinnen auswechselt, gerade um dies zu verhindern. Welchen Grund sollten Völker haben, ihre Königin mehr als einmal im Jahr auszuwechseln?
Aus den Beobachtungen bei unseren Völkern sehen wir, daß es ein Problem mit verkehrt herum zugegebenen Waben ist. Wenn die Wabe "aus der Reihe tanzend" ins Volk gegeben wird, kann der Imker spontanes Umweiseln auslösen .Die Imker müssen aufpassen und sich an folgendes halten: auf der einen Seite sind die Y-Muster umgedreht und zeigen nach unten "^", was einen schrägen Boden bildet, auf dem die Larve ruht. Dies wird von den Bienen für eine schnelle Entwicklung genutzt, z. B. nach dem Schwarmakt.
Auf der anderen Seite der Wabe bzw. Mittelwand zeigt das Y-Muster nach oben und erzeugt so ein schräges Dach, um Brut und gesammelte Vorräte vor Sonne, Regen, etc. schützt. Doch das schräge Dach des aufrecht stehenden Y-Musters hat auch eine andere Funktion im Volk! Denn nur auf dieser Seite mit aufrecht stehendem Y-Muster, dort wo ein überstehendes Dach gebildet wird, werden nach unten zeigende Weiselzellen für die Umweiselung gebaut
Imker können also durch die Nichtbeachtung der natürlichen Anordnung der Waben ein spontanes Umweiseln anregen und dadurch ein eventuelles Schwärmen. Bei Völkern die schon durch Krankheiten, Schädlinge, Räuber oder auch Varroabehandlungen schon unter Stress stehen, wird die falsche Wabenanordnung jedoch leichter Probleme auslösen, wie z.B. das spontane Umweiseln.

Wessen Fehler ist es also! Der Bienen oder des Imkers, der nicht auf die richtige Anordnung der Waben in den von ihm betreuten Völkern geachtet hat?

Re:Mehring

Beitrag von ralph » So Jan 21, 2018 2:36 pm

hallo bee,
muss mich nochmal korrigieren, die berlepschwabe war 18 cm hoch und nicht 19, habe nochmal nachgeschaut, reine wabenfläche ohne holz,
also 24cm breitund 18 cm hoch.
berlepsch beschreibt in seinem buch "die biene und ihre zucht in honigarmen gegenden", dass er bei einem bauern namens jacob schulze in einem dorf in der nähe zuerst die korbimkerei gelernt hat, dann übernahm er von dzierzon, als dessen schüler er sich bezeichnete, die beweglichen stäbchen, also oberträger ( welche z.b. beim christ magazin fest eingenagelt waren), und entwickelte bei diesen "top bars" die abstandshalter als ausbauchungen beiderseits und aus diesen oberträgern dann in kürze das hängende rähmchen, weil ja die stäbchen schon selbst hängend waren.
dzierzon war dann eifersüchtig weil er von einem seiner schüler übertroffen wurde...berlepsch hatte meines wissens zuvor keine stehenden rähmchen
wenn dich und andere die historische bienenliteratur interessiert, google : sammlung apidologie - dort ist sehr viele alte imkerliteratur digitalisiert zu lesen. dort hab ich auch die infos über berlepsch her...

interessant was du gefunden hast, dass schon mehring offenbar die zellen vergrösserte...ich denke trotzdem dass er eine standardzelle anstrebte, die überall passt, die arbeitsbienen werden etwas grösser, die drohnen etwas kleiner, und im honigraum passts sowieso... spart auch wachs gegenüber kleinen zellen, vielleicht war auch das eine überlegung mehrings??
das eigenartige format mehrings war vielleicht durch christ magazine bedingt, die ja sehr verbreitet waren, auch dzierzon hatte sie bevor er seine lagerstöcke entwickelte. das original christ magazin hatte 6 waben also innenraum ca 20 cm, und es gab halbe zargen, ungefähr 14 cm hoch und auch bei anderen magazinlehrern viertelzargen, also könnte 9 cm durchaus auch eine verwendete zargenhöhe gewesen sein...es war alles nicht so standardisiert, ein zoll hin oder her , jeder baute seine kästen etwas anders....diese magazine wurden untergesetzt und oben der honig abgenommen.
nur liegen bei mehring dann, falls er dieses system hatte, die zellen mit der spitze seitlich, was auch meine bienchen im naturbau machen, die zellenlage ist da ganz unterschiedlich, das habe ich auch schon öfter gelesen. das geht natürlich dann mit housels beobachtungen nicht ganz
zusammen...
müsste man mal bei huber nachlesen was er über die zellenausrichtung beobachtete, gibt es auch in der sammlung apidologie gleich mehrfach,
zuletzt, die wohl lesbarste ausführung huber-kleine .
die anthroposophen behaupten ja die zellstellung hängt mit der harmonie im volke zusammen(mathias thun - ist der eigentlich auch schon mit den kleinen zellen dabei?) und wenn das richtig ist können ja hubers stöcke durchaus nicht in der vollen harmonie gewesen sein, durch das viele auseinandernehmen, und bei anderen beobachtern der unregelmässigen zellenlage könnten natürlich auch disharmonien in den völkern gewesen sein. ich glaube auch cowan berichtet über unregelmässige zellenlage...
wäre interessant ob housel seine beobachtungen an einem imkervolk gemacht hat oder bei wilden bienen, die lange schon ungestört in ihrem stock lebten?
irgendwas muss ja daran sein weil die housel positionierung offenbar bei vielen in der anwendung funktioniert...
lg ralf

Re: Mehring

Beitrag von bee » Sa Jan 20, 2018 7:40 pm

hallo ralph,
ralph hat geschrieben:das berlepschmass , gerechnet ohne rahmenholz war 10 " auf 8", also knapp 24 cm auf 19,3.


ok, das schrieb auch Pfarrer Metzler 1860, dass er Mittelwände mit 12" Länge und 8 1/2" Breite einlegte und die stellte er aus 3 gegossenen Mittelwänden her, indem er sie zusammenlötete.

Die Gussform aus Frankenthal zeigt ja, dass die Zellen so gefertigt wurden, dass die Höhe 20cm und die Breite 9 cm waren.
Er stellte sie noch in den Stock zu Beginn, weil er noch nicht auf das Hängen gekommen war.

Somit muss Metzler 3 Mittewände nebeneinander zusammengelötet haben, denk ich mal. Zusammengelötet hat der sie, denn er berichtet dass er das an der Sonne gemacht hat.

die einzelne wabe hatte querformat, doch im brutnest waren 2 übereinander also reine wabenhöhe ohne leistenholz 38,6.
fast ähnlich wie gerstung mit 25mal 40 cm wabenmass im brutraum...


Ok aber das kann nichts mit dem von Mehring und von Metzler zu tun gehabt haben.
Berlepsch verwendete doch Naturbau und seine Rähmchen, oder?
Denn Berlepsch war ja überhaupt nicht gut auf Mehring zu sprechen und griff ihn sogar an wegen seines "Kunsthonigs" (weil Mehring seine Bienen künstlich fütterte, was absolut neu war)

Berlepsch Rähmchen:
Grundriss_des_Raehmchen_von_August_v.Berlepsch.jpg


das schrieb Hugo von Buttel Reepen:
hugo_von_buttel_reepen_berlepsch.jpeg

Also Pfarrer Dzierzon der damals schon über 400 Völker hatte, hat seine Stäbchen als erster quer in die Stöcke eingehängt und Berlepsch folgte ihm dann und hängte seine Rähmchen auch quer ein.
Die Rähmchen von Berlepsch waren also 10" breit, was knapp 24cm sind.

... die beute war ein 3 etager, alles aus einem stück (unteilbar) und hinterbehandlung im querbau, also relativ umständlich zu bearbeiten.
er baute aber schon 1861 eine lagerbeute mit hintenliegendem honigraum in querbau mit abnehmbarem deckel, also schon oberbehandlung.
dort ebenfalls 2 reihen rähmchen mit seinem mass übereinander..


ja ich habe auch bemerkt, dass da jeder seine eigenen Maße und Erfindungen hatte. Das war und ist bis heute ein unglaubliches Durcheinander in Deutschland.

Nur es steht immer noch die Frage im Raum warum und um wieviel Mehring seine Zellgröße vergrößert hat.
Auf jeden Fall wurde das 1939 in der Schweizerischen Bienen-Zeitung behauptet:

Das fand ich in der Schweizerischen Bienen-Zeitung - Band 62 - Seite 572
https://books.google.es/books?id=01IgAQAAMAAJ
1939 -
Im Bestreben, eine größere und womöglich leistungsfähigere Biene zu züchten, werden in neuester Zeit bekanntlich sogenannte Großzellen-Mittelwände fabriziert. Das sind Mittelwände, bei denen auf 1 dn^ Wabenfläche statt wie bisher ca. 800 nur noch zirka 700, 620 ja sogar nur 560 Zellen gehen. Zellen, bei denen auf 1 än^ deren 750 — 760 gehen, werden als mäßig vergrößert betrachtet. Diese Zellengröße zeigten schon die ersten, von Mehring fabrizierten Mittelwände und auch ...

Re: Mehring

Beitrag von ralph » Sa Jan 20, 2018 2:09 pm

vielen dank für die infos um mehring, hochinteressant was du alles gefunden hast...
das berlepschmass , gerechnet ohne rahmenholz war 10 " auf 8", also knapp 24 cm auf 19,3.

die einzelne wabe hatte querformat, doch im brutnest waren 2 übereinander also reine wabenhöhe ohne leistenholz 38,6.
fast ähnlich wie gerstung mit 25mal 40 cm wabenmass im brutraum...
berlepsch hatte über dem brutraum abdeckbrettchen, die nur ganz vorne an der frontwand der beute einen kleinen spalt freiliessen, damit die königin nicht in den honigraum über dem brutraum gelangen konnte, was zuallermeist auch funktionierte.
durch diese abdeckbrettchen verlor der brutraum keine wärme in den honigraum, dadurch hatte er auch arbeitsbienenschlupfzeiten 19-20 tage, . die beute war ein 3 etager, alles aus einem stück (unteilbar) und hinterbehandlung im querbau, also relativ umständlich zu bearbeiten.
er baute aber schon 1861 eine lagerbeute mit hintenliegendem honigraum in querbau mit abnehmbarem deckel, also schon oberbehandlung.
dort ebenfalls 2 reihen rähmchen mit seinem mass übereinander..
lg ralf

Re: Mehring

Beitrag von bee » Fr Jan 19, 2018 8:01 pm

noch was interessantes über Mehring:

mehring.jpg
mehring.jpg (8.78 KiB) 83-mal betrachtet


MEHRING stand zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seines Ansehens. Der Erfinder der Kunstwabe, der zahlreiche Ehrungen im In- und Ausland entgegengenommen hatte, trat mit einer revolutionären Idee über das Wesen des Bienenstaates an die Öffentlichkeit!

Ein Bienenvolk sei nicht eine große Herde von Einzelwesen, sondern ein tief ineinandergreifender tierischer Gesamtkörper, den man als "Bien" bezeichnen müsse. Seine neue Auffassung nannte er das "Einwesensystem" im Gegensatz zu den bestehenden Vorstellungen von den dreierlei Wesen Königin, Drohnen und Arbeitsbienen. Das alte sogenannte "Dreiwesensystem" könne trotz aller Anstrengungen eine Reihe von Vorgängen im Bienenvolk nicht erklären.

Seinen "Bien" verglich er mit einem Wirbeltier. Die älteren Bienen, die Trachtbienen, die ausfliegen und Honig und Pollen sammeln, entsprächen den Gliedmaßen eines Wirbeltieres; die Königin sei das weibliche Geschlechtsorgan, die Drohnen stellten männliche Geschlechtsorgane dar, und die jungen Bienen, die fortwährend die eingetragenen Süßen in Honig umwandelten, seien die Eingeweide.
Selbst die gefüllten Honigwaben seien Teile dieses Wesens, wie ja auch die Schmalzlappen in den Lenden eines Schweins Teile des Tierkörpers wären.
MEHRING konnte mit dieser "Modellvorstellung", wie wir heute sagen, für wesentliche Merkmale des Bienenstaates treffende Erklärungen finden, wie zum Beispiel die gegenseitige Abhängigkeit der zahlreichen Bewohner eines Volkes oder die Arbeitsteilung unter den Bienen. Aber auch für schwierige Einzelfragen aus der Ethologie der Honigbienen fand er überraschende Lösungen. So bedürften die jungen Bienen wie die Eingeweide eines höher organisierten Warmblütlers nicht der nächtlichen Ruhe und Erholung, die wir als "Schlaf" bezeichnen; dagegen fänden die alten Bienen wie die Gliedmaßen eines Wirbeltieres zur Nachtzeit ihre Ruhe.
Das Buch stieß allgemein auf Unverständnis, und noch im Jahr des Erscheinens veröffentlichte der als Bienenforscher angesehene schlesische Pastor SCHÖNFELD eine vernichtende Kritik in der Eichstätter Bienenzeitung:
Dem Einwesen des Verfassers gab er den Spottnamen "Apis miraculosa Mehringii" - Mehrings Wunderbiene! Die Idee des Pfälzers nannte er eine merkwürdige Tollheit. Ein an sich schöner Gedanke wäre auf grob materielle Art verhunzt worden, daß ein Bienenkenner sich darüber nur wundern könne, einem Anfänger aber zumute werden müsse, als drehe sich ein Mühlrad in seinem Kopfe um. "Schade um das schöne Papier und den guten Druck." In diesem vernichtenden Urteil gipfelte die beißende Kritik des Pastors Paul SCHÖNFELD.
MEHRING muß von diesem Mißerfolg schwer getroffen gewesen sin. Jedenfalls stellte er die Mitarbeit in der Eichstätter Bienenzeitung weitgehend ein. Hatte er doch in diese Schrift seine ganze geistige Energie investiert! Bereits im Jahre 1861 hatte er an dem Buch gearbeitet, was ein Brief an den Baron von BERLEPSCH vom 14. 4. 1861 beweist. Dort heißt es:
"Von meiner Selbstansicht über das Bienenwesen erhalten Sie seinerzeit 1 Exemplar als Gegenfreundschaft für Ihr Bienenwerk. Den Mittelweg wird das Ding nicht gehen; entweder - oder heißt mein Grundsatz. Ich will der Bienenzucht, dieser spröden Schönen, die Kindlein vom Leibe bringen, daß sie in ihrer nackten Wirklichkeit dasteht."

Späte Ehrenrettung durch Pfarrer Gerstung

Eine späte Ehrenrettung des "Einwesensystems" erfolgte im Jahre 1901 durch Pfarrer GERSTUNG. Er gab den theoretischen Teil der Schrift MEHRINGs neu heraus im Verlag Paul Waetzel in Freiburg im Breisgau und Leipzig und schrieb in der Einleitung:
"Indem ich den theoretischen 1. Teil des im Jahre 1869 erstmalig erschienenen hochinteressanten Werkes des schlichten und doch so kenntnisreichen und so scharf beobachtenden, denkenden und schließenden Tischlermeisters J. Mehring in Frankenthal in der Rheinpfalz, des ,neuen Einwesensystems' neu herausgebe, entledige ich mich einer Dankespflicht, welche mir schon seit Jahren schwer auf dem Gewissen gelegen hat. Habe ich doch Mehring ein gut Teil der Bausteine zu verdanken, aus denen sich meine organische Auffassung des "Biens" und seiner Zucht aufbaut."
In den letzten Lebensjahren mied MEHRING das Auftreten in der Öffentlichkeit. Seine großartige Erfindung der künstlichen Wabenmittelwand breitete sich jedoch über die ganze Welt aus. Bereits im Jahre 1868 taucht MEHRINGs Name im Zusammenhang mit seiner Erfindung mehrmals in einem Buch auf, das der Wiener Arzt Ludwig Josef MELICHER unter dem Titel "Die Bienenzucht in der Weltausstellung zu Paris im Jahre 1867' schrieb.
Daß schließlich andere den finanziellen Gewinn aus seiner Erfindung zogen, dürfte ihn nicht sehr bewegt haben. Eigenschaften, die er schätzte, verrät er in dem Wahlspruch, den er seinem "Einwesensystem" vorangesetzt hat:



Einfachheit und Wahrheit
sind die Fundamentalgesetze
der Weltenordnung.
J. Mehring


Quellenangabe: ADIZ Allgemeine Deutsche Imkerzeitung - Mai 1978 - Herausgegeben vom Delta-Verlag KG - Seite 129 ff

re:Mehring

Beitrag von bee » Fr Jan 19, 2018 7:14 pm

guten Abend,

jetzt wird es noch interessanter.
Ich hab etwas rumgestöbert und einiges gefunden zu Mehring.

Das fand ich in der Schweizerischen Bienen-Zeitung - Band 62 - Seite 572
https://books.google.es/books?id=01IgAQAAMAAJ
1939 -
Im Bestreben, eine größere und womöglich leistungsfähigere Biene zu züchten, werden in neuester Zeit bekanntlich sogenannte Großzellen-Mittelwände fabriziert. Das sind Mittelwände, bei denen auf 1 dn^ Wabenfläche statt wie bisher ca. 800 nur noch zirka 700, 620 ja sogar nur 560 Zellen gehen. Zellen, bei denen auf 1 än^ deren 750 — 760 gehen, werden als mäßig vergrößert betrachtet. Diese Zellengröße zeigten schon die ersten, von Mehring fabrizierten Mittelwände und auch ...


Wie da 1939 gesagt wird, hat schon Mehring angefangen die Zellengröße absichtlich zu vergößern.
Wir gingen davon aus dass das Beaudoux um 1890 rum war, aber Mehring lebte bis 1876!

Nun konnte ich aber nur diesen kleinen Ausschnitt finden, es wäre aber interessant den ganzen Artikel zu lesen. Bei google books gibt es ihn anscheinend, oder vielleicht können unsere schweizerischen Freunde da etwas in Erfahrung bringen.
:wink:

Ich hab gelesen, dass Mehring anscheinend doch seine Mittelwände hochkant in seine Beuten gestellt hatte, wohlgemerkt gestellt und nicht gehängt zu Beginn. Keine Ahnung wie er das machte und wie die Beuten ausgesehen haben, denn die ersten Mittelwände, die er gegossen hat, sind ja nur 9 cm breit und 20 cm lang.

Nun hab ich aber auch diese Info gefunden:
Das hat der Hauptlehrer Huber 1858 geschrieben:
mehring_huber_hauptlehrer_1858.png


Er verwendete also bereits 1858, ein Jahr nachdem der die besagte Holzform gebaut hatte, eine Form aus Kupfer.
Wahrscheinlich waren da die Mittelwände dann schon größer. Ich kann mir vorstellen, dass die Kupferplatten von einem Kupferstecher hergestellt wurden, weiss es aber noch icht.

Hier betont der Hauptlehrer Huber, dass er noch keine Brut in diesen Waben gesehen hat bei Mehring, obwohl Mehring das Gegenteil verkündete!

Nun hab ich in der Bienenzeitung (wahrscheinlich deutsche Bienenzeitung) von 1860 folgendes gefunden:
resistantbees.com/fotos/blog/kt_bz.pdf

Da beschriebt Pfarrer Metzler 1860 seine Erfahrungen im Umgang mit einer Gussform von Mehring:
metzler_1.jpeg


Er verwendete anscheinend Rähmchen und Stäbchen. Stäbchen waren das was man heute bei Top Bar Hives anwendet, nämlich einfach Leisten von denen die Bienen nach unten Naturbau ausführen.

metzler_2.jpeg


Daraus kann man schließen, dass die Gussform von Mehring 30 cm hoch und ca 7cm breit gewesen sein muss und die Mittelwände wurden an der langen Seite zusammengesetzt um das Maß von 20 cm Breite und 30 cm Höhe zu erhalten.

Und jetzt kommt noch was interessantes:
metzler_3.jpeg


Der Pfarrer Metzler hat sich also nun selber so eine Gussform aus Holz anfertigen lassen, ABER der beauftragte Holzschnitzer hat die Zellen zu gross gefertigt. 15 Zellen dieser Form entsprachen 16 der Mehringschen.
Er berichtet dass seine dunklen Bienen damit nicht zurecht kamen und alles mögliche bauten, weil die Zellen zu groß waren!
Ähnliches kennen wir ja wenn wir großzellige Bienen auf kleine Zellen setzen, dass das aber auch passiert, wenn die Zellen zu gross sind, ist mir neu.
Wir wissen inzwischen, dass die Zellen der ersten Gussform von Mehring 5,35mm maßen. Das wurde im Museum nachgemessen.
Somit wären die Zellen der Form von Pfarrer Metzler 5,7mm groß gewesen sein.
Doch da ist die Frage, die ich mir stelle, ob die Bienen bei 5,7mm Zellgröße schon Probleme zeigen beim ausbauen der Mittelwände in Form des beschriebenen Wirrbaus mit Drohnenzellen, oder ob Mehring seine Zellgröße nochmals vergrößert hat und dann bei Metzler Zellgrößen um 6mm heraus kamen?

Wissen wir nicht, aber vielleicht finden wir noch mehr Info.

Aber interessant ist:
Anscheinend hat Mehring schon angefangen Mittelwände mit größere Zellen herzustellen.

kleine Naturbauzellen in der Schweiz

Beitrag von bee » Do Jan 18, 2018 8:46 pm

ein Imkerkollege schrieb mir vor einiger Zeit folgendes (Markus ist hier Mitglied, vielleicht meldet er sich mit neuen Fotos :wink: )

Markus hat geschrieben:Den Beweis dafür habe ich schon lange (Thema: eindeutige Beweise dass die Bienenzellen früher viel kleiner waren)
Ich weiss, wo sich ein alter Fensterrahmen befindet mit einem alten Bienenstock innendrin und aussenrum ist ein schönes Hornissennest. Die Zellgrösse im Innern des Bienenstockes misst 4.7 bis 4.9 mm. Du kannst den Massstab sehen und selber messen.
Der Fensterrahmen war in der Schweiz im Kanton Aargau.
Alles Gute für's Neue Jahr und Danke für Deine wichtigen Informationen.


und:
Markus hat geschrieben:Der Wabenbau von dem ich rede, ist schon sehr alt. Der ganze Fensterrahmen wurde mit Glas geschützt und befindet sich in einem Showkasten einer Schule in Wettingen Kanton Aargau. Er gehört einer Lehrerin, welche aber schon lange nicht mehr an dieser Schule unterrichtet. Ich habe mit ihr geredet. Sie hat ihn vor sehr langer Zeit vom Bildhauer Eduard Spörri erhalten. Sie war nicht sicher, ob er vom Bildhauer Spörri direkt kam, oder ob er dieses Schauobjekt auch von irgendwo erhalten hat. Es gibt in Wettingen ein Museum, das seinen Namen trägt. Er lebte von 1901 bis 1995. Es könnte sein, dass dieses Gebilde tatsächlich noch aus alter Zeit stammt, wo die Bienen ( die schwarze Biene) noch die kleine Zelle baute.

Wenn ich wieder mal dort bin mache ich ein paar Aufnahmen mehr.

Irgendwann, wenn meine Bienen das Bauen der kleinen Zelle wieder beherrschen, möchte ich komplett auf Naturwabenbau umstellen. Der Bien sollte doch auch ohne den Menschen überleben können. Dafür müssen wir ihn fit machen.



Foto 1.JPG


Foto 1ab.JPG


hier habe ich das Foto etwas deutlicher gemacht -
7 Zellen messen etwas mehr als 32mm - das heisst die Zellgröße ist ca 4,6mm
zum vergrößern drauf klicken

cell_suiss.JPG

Re: Mehring

Beitrag von bee » Do Jan 18, 2018 8:16 pm

hallo ralph,
ralph hat geschrieben:ich denke der mehring wollte mit seiner doch sehr grossen zellgösse vielleicht schon standardisieren, eine zelle die überall im arbeiter brutnest hinpasst, so wie ja auch der wabenabstand standardisiert wurde....
vielleicht waren etwas grössere zellen als model auch einfacher zu schnitzen...
jedenfalls müssen ihm zu dieser zeit richtige naturbaunester nicht unbekannt gewesen sein, es gab ja nichts anderes. vielleicht fand er es einfach gar nicht so wichtig dass im zentrum des brutnestes sehr kleine zellen sich befinden.


also da bin ich mir nicht so sicher.
Baron von Berlepsch wollte selber solche Mittelwände herstellen:
Darauf schrieb der Baron am 10.4. 1857 an den Schriftleiter der Eichstädter Bienenzeitung, daß ihn die Herstellung künstlicher Waben sehr interessiere, um so mehr, da er selbst an die Anfertigung solcher gedacht habe, aber nicht aus Wachs, sondern aus Kautschuk. Er möchte nämlich Waben erfinden, aus denen man dann den Honig auspressen könne wie das Wasser aus einem Schwamm.


weiter:
Am 9. April 1857 legte der Lehrer August Friedrich JEDERMANN aus Tennstadt bei Langensalza dem Baron von BERLEPSCH künstlich verfertigte Wachswaben vor. Mit Hilfe von Drahtstiftchen hatte er in mühevoller Kleinarbeit Zelle für Zelle hergestellt und so ein kleines Wabenstückchen angefertigt. Das Verfahren hatte wegen seiner Umständlichkeit keine praktische Bedeutung.
Der Redakteur der Eichstätter Bienenzeitung, der über den Stand der Angelegenheit bestens informiert war, machte nun folgenden Vorschlag: Es wäre vielleicht gar nicht nötig, die ganze Wabe herzustellen, es könnte genügen, die Zellen etwa in ihrer halben Länge zu fertigen. Dieser Gedanke von SCHMID dürfte der entscheidende Denkanstoß für MEHRING gewesen sein! War er doch aufmerksamer Leser der Eichstätter Bienenzeitung; zudem war er in der Nummer 2 des Jahrgangs 1857 namentlich als neuer Mitarbeiter begrüßt worden.
MEHRING erkannte klar, daß man nur die Mittelwand herstellen müsse, um die gewünschte Wabe zu erhalten. Die Nummer 301 der Pfälzischen Bienenzeitung vom 23. Dezember 1857 enthält die entscheidende Mitteilung über die gelungene Herstellung der ersten Mittelwände.
Mehring hat geschrieben:"Denjenigen Bienenfreunden, welche auf der Freinsheimer Versammlung die von mir beabsichtigten, aus reinem Wachs zu gießenden Waben so sehr in Zweifel gezogen, diene anmit zur gefälligen Nachricht, daß der Guß dennoch stattgefunden hat und zwar mit folgendem Ergebnis:

Eine Tafel nach der bekannten von Berlepsch' schen Rähmchengröße wiegt aus der Form genommen zwei ein Viertel Loth; kommt folglich auf 5 Kronen zu stehen.

Die Waben gehen durch bloßen Temperaturwechsel, ohne alle Schmiere, aus der Form und man ist des lästigen Einölens ganz enthoben.

Eine Tafel herzustellen erfordert mit der Vor- und Nacharbeit für eine einzelne Person nicht über 45 Minuten Zeit. Könnten sich jedoch drei Personen in die Hände arbeiten, so wären leicht vier Stück in der Stunde zu liefern.

Die Tafel ist reiner Arbeitsbienenbau, 9 Zellen auf 5 Zentimeter und vor den natürlichen, wenn beide mit Brut und Honig besetzt sind, an nichts kenntlich als an der größeren Regelmäßigkeit; beim Durchschneiden zeigen sie nur eine etwas stärkere Mittel- oder Scheidewand.

Aus diesen Waben kann man Honig ernten und dann die Tafeln zum sofortigen Gebrauche den Bienen aufs neue wieder einhängen, weshalb dieselben eine unbegrenzte Dauer erhalten.



da scheint es mir, dass die sehr wohl für die Honigeinlagerung gefertigt wurden, zumal die Gussformen aus Holz nur eine Wabenfläche von 20,7 cm Breite und 9,3 cm Länge besass.

Und da fallen mir 2 Dinge sofort ins Auge.
- Erstens hat Mehring genau die Zellgeometrie verwendet die wir jetzt verwenden!!!

- Und zweitens ist diese Gussform für eine Mittelwand, die hochkannt eingelötet werden sollte.
Berlepsch hatte ja schon die mobile Bauweise der Rähmchen erfunden und da Mehring andauernd in Kontakt zu Berlepsch war (Berlepsch lehnte den Honig von Mehring ab und nannte ihn "Kunsthonig", da er seine Bienen künstlich fütterte um genügend Wachs zu erhalten - das bekam Mehring zu spüren: "Als MEHRING im Jahre 1871 bei der apistischen Ausstellung im Glaspalast beim Oktoberfest in München seinen Honig ausstellte, geriet Baron von BERLEPSCH als Preisrichter in nicht geringe Verlegenheit. Er traf jedoch eine richtungweisende Entscheidung, als er MEHRINGs Honigproben von der Prämiierung ausschloß mit der Begründung, die Angelegenheit sei noch nicht spruchreif und bedürfe der Überprüfung.")
Nun ist die Frage wie diese Mittelwände eingelötet wurden? Hochkant? Wahrscheinlich nicht, denn dann wäre ein Rähmchen nur 9 cm breit gewesen, oder haben sie die Mittelwände falsch eingelötet, nämlich mit liegenden Zellen?
Wer weiss wie gross die Rähmchen von Berlepsch waren?

Das sieht für mich alles so, aus als hätte Mehring die Mittelwände ausschliesslich für die Honigernte verwendet.
Und nämlich in Rähmchen mit Mittelwänden mit 20,7cm Breite und 9,3cm Höhe. So wie eine Halbzarge.
Und die Zellen waren falsch angeordnet, nämlich liegend. Das wäre für das Brutnest sehr abträglich gewesen und auf jeden Fall nicht so wie es die Bienen bauen.


Aufnahme Wabengröße_2.JPG

Vielen Dank für die Bilder an das Erkenbert Museum in Frankenthal

Da wird gesagt dass die Gussform 9 Zellen auf 5 Zentimeter hatte, das wären dann 5,55mm Zellgröße.
Wenn man aber das Foto mit dem Massstab ansieht dann kommen da 5,35mm raus.

ralph hat geschrieben:das er honigwabenzellen mit seiner mittelwand machen wollte, kann ich mir nicht vorstellen, denn die mittelwand hatte ja den zweck ein nach menschlicher einsicht geordnetes brutnest zu bezwecken ohne drohnenbau und wo die wabe dann an jeder stelle verwendet werden kann.


Mehring schrieb:
Mehring hat geschrieben:Die Tafel ist reiner Arbeitsbienenbau, 9 Zellen auf 5 Zentimeter und vor den natürlichen, wenn beide mit Brut und Honig besetzt sind, an nichts kenntlich als an der größeren Regelmäßigkeit; beim Durchschneiden zeigen sie nur eine etwas stärkere Mittel- oder Scheidewand.

Aus diesen Waben kann man Honig ernten und dann die Tafeln zum sofortigen Gebrauche den Bienen aufs neue wieder einhängen, weshalb dieselben eine unbegrenzte Dauer erhalten.



ralph hat geschrieben:gibt es irgendwo ein foto von dieser mehring form, du sagtest du hast sie im museum vermessen lassen


hier sind ein paar Fotos der Presse von Mehring - er veranschlagte 45 Minuten zum giessen einer Mittelwand

Kunstwabenpresse_Front.jpg


Kunstwabenpresse_Detail.jpg


Kunstwabenpresse_Seitenansicht.jpg


und weiter mit der Info über Mehring:

In den folgenden Jahren Herstellungsmethode entwickelt

Daran lag allerdings MEHRING nichts, wollte er seine Erfindung doch selbst gewinnbringend auswerten. Deshalb sandte er dem Redakteur zwar eine ganze Reihe von Artikeln, die Kunstwaben erwähnte er darin jedoch mit keiner Silbe.
In den folgenden Jahren entwickelte er die Methode der Herstellung so weit, daß er im Jahre 1860 an einem Tag mit Leichtigkeit 100 Waben herstellen konnte. Das Dutzend kostete einen Gulden; die Form mit Zubehör und Anleitung gab er für 11 Gulden ab, kein überhöhter Preis, wenn man berücksichtigt, daß MEHRING die Zellen in den Platten aus Hartholz in geduldiger Handarbeit ausstichelte. So erklärt es sich auch, daß MEHRINGs Holzpressen recht klein waren. Das im Frankenthaler Erkenbert-Museum vorhandene Stück, das uns zu einer Ausstellung zur Verfügung gestellt wurde, hat eine Wabenfläche von 20,7 cm Breite und 9,3 cm Länge. Es legt Zeugnis ab von der erstaunlichen Kunstfertigkeit seines Herstellers.
Die beim Kauf einer Presse mitgelieferte Anleitung zur Herstellung der Waben hat MEHRING niemals in einer Bienenzeitung veröffentlicht. Zum Glück hat Pfarrer WETZLER aus Scheuring bei Landsberg am Lech, der im Jahre 1858 in Stuttgart bei MEHRING wie neun andere Bienenzüchter eine Wabenpresse bestellt hatte, im März 1860 einen Artikel "Die künstlichen Mittelwände" geschrieben, aus dem wir Einzelheiten des MEHRING' schen Verfahrens entnehmen werden.
Der Erfinder teile die Anfertigung der Kunstwaben in drei Abschnitte:

das Bilden der Tafeln,

das Ebenen und

das Pressen derselben.

So einfach man pressen könne, so schwierig sei das Bilden der Tafeln und das Ebenen. Der Pfarrer aus Oberbayern empfahl deshalb, die Wachstafeln bei einem Wachszieher herstellen zu lassen, da diese Leute eine große Fertigkeit besäßen und glatte Wachstafeln in kürzester Zeit und papierdünn anfertigen könnten.
Pfarrer GERSTUNG erfuhr bei seinen Nachforschungen um die Jahrhundertwende von Georg MÜLLER III aus Großniedesheim, welcher außer anderen Dingen bei der Versteigerung des Nachlasses MEHRINGs auch dessen Korrespondenz erworben hatte, ein gewisser SCHOBER, Goldarbeiter aus Frankenthal, habe die erste Platte hergestellt; von dieser Form hätten MEHRING und SPRINKHORN Abdrücke genommen. Tatsächlich hat dieser Imkernachbar MEHRINGs, Ökonom SPRINKHORN, in Stuttgart ebenfalls Mittelwände ausgestellt! Das Preisgericht traf jedoch eine ziemlich klare Entscheidung: MEHRING erhielt den 1. Preis für Erfindungen in Höhe von 30 Gulden, SPRINKHORN dagegen erhielt nur ein Diplom. An der Urheberschaft bei der Erfindung der Kunstwabe bestand auch für GERSTUNG kein Zweifel.
Welch großen Erfolg MEHRING in Stuttgart hatte, beweist der Ausstellungsbericht, der in der Dezemberausgabe der Bienenzeitung veröffentlicht wurde:
"Am meisten drängten sich die Teilnehmer um den erst während der Nacht eingetroffenen Herrn Mehring aus Frankenthal, der seine geistreich ausgedachten Apparate zur Anfertigung künstlicher Wachswaben und zur Vorzeichnung der Richtung des Baues mitgebracht und ausgestellt hatte. "
Im Januar 1859 veröffentlicht MEHRING eine Anzeige in der Bienenzeitung, in der sich das große Interesse der Bienenzüchter an der Erfindung spiegelt:
"Ankündigung

Durch die vielen brieflichen Zuschriften, welche fortlaufend wegen der künstlichen Wabenangelegenheit bei mir einlaufen, hat es sich herausgestellt, daß dieser Gegenstand eine ganz außergewöhnliche Teilnahme gefunden hat; denn nicht nur von den äußeren Grenzmarken Deutschlands, sondern auch aus dem Ausland inden werte Briefe ihren Weg in meine bescheidene Wohnung.
Diese Zuschriften alle gründlich und klärend zu beantworten, wie es die freundlichen Anfragen verdienen, ist mir eine reine Unmöglichkeit, weil ich demjenigen Stande in der menschlichen Gesellschaft angehöre, welche angewiesen ist, von der Arbeit seiner Hände zu leben..."
Im weiteren verpflichtete er sich, je zwei Proben, eine frisch gepreßt, eine von den Bienen ausgebaut, zu senden, falls der Anforderung ein Geldbetrag von einem Gulden beigefügt würde.
Große Probleme bereiteten dem Bienenzüchter die mäßigen Trachtverhältnisse in der Frankenthaler Gegend. Wenn der Nektar nicht in Strömen fließt, stellen die Bienen Wachsproduktion und Bautätigkeit ein. MEHRING aber brauchte ständig Wachs für seine Mittelwandproduktion.


Quellenangabe: ADIZ Allgemeine Deutsche Imkerzeitung - Mai 1978 - Herausgegeben vom Delta-Verlag KG - Seite 129 ff

Re: Mehring

Beitrag von ralph » Do Jan 18, 2018 3:58 pm

hallo bee
ich denke der mehring wollte mit seiner doch sehr grossen zellgösse vielleicht schon standardisieren, eine zelle die überall im arbeiter brutnest hinpasst, so wie ja auch der wabenabstand standardisiert wurde....
vielleicht waren etwas grössere zellen als model auch einfacher zu schnitzen...
jedenfalls müssen ihm zu dieser zeit richtige naturbaunester nicht unbekannt gewesen sein, es gab ja nichts anderes. vielleicht fand er es einfach gar nicht so wichtig dass im zentrum des brutnestes sehr kleine zellen sich befinden.
das er honigwabenzellen mit seiner mittelwand machen wollte, kann ich mir nicht vorstellen, denn die mittelwand hatte ja den zweck ein nach menschlicher einsicht geordnetes brutnest zu bezwecken ohne drohnenbau und wo die wabe dann an jeder stelle verwendet werden kann.
auf meiner alten MW giessform mit 5,3 mm zellen geht beides, arbeiterbrut und ohne probleme haben meine bienen immer unten ihre drohnenecken daraus gebaut bei bedarf, sozusagen ein universalmass, vielleicht schwebte mehring ja so etwas vor?
er hat es sicher zuvor ausprobiert bevor er es publik machte, und sah dass sich die arbeiter brut in den grossen zellen genauso entwickelte..
die probleme mit diesen grösseren zellen waren damals natürlich noch nicht voraussehbar, nur sollte sich der mensch immer fragen ob er etwas besser macht als der urheber der schöpfung...
gibt es irgendwo ein foto von dieser mehring form, du sagtest du hast sie im museum vermessen lassen

lg ralf

Nach oben

cron