sehr gute Erfahrungen eines Kollegen

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sehr gute Erfahrungen eines Kollegen

Beitragvon bee » Di Apr 03, 2018 8:18 pm

unser Kollege berichtet:
Hier stellen wir euch einen Bericht eines Praktikers aus dem Arbeitskreis über den vergangenen Winter vor.

Das ist ein wahrer Erfolg, denn diese Stöcke wurden ohne Behandlungen geführt und konnten sich langsam mit dem Problem Varroa vertraut machen. Bei einigen musste eine Brutentnahme gemacht werden, aber keine Behandlungen. Wenn man bedenkt, dass jeder Stock durch eine, oder mehrere Krisen gehen muss, bis er es gelernt hat mit den Varroen umzugehen, dann ist dieser Weg, den dieser Imker eingeschlagen hat, genau der richtige. Die Bienen lernen es mit den Varroen umzugehen und der Imker lernt es mit behandlungsfreien Bienenstöcken umzugehen.
Dieser Bericht gibt Mut!

Dieser SC-Imker hat 38 Stöcke eingewintert, und 28 Stöcke ausgewintert.
Interessant ist, wenn man sich die Stöcke anschaut, die es nicht durch den Winter geschafft hatten, an was das gelegen haben könnte.

Hier mal eine Tabelle mit den 10 Stöcken die nicht überlebt haben:


Drei waren Völker, die den 2 zweiten Winter vor sich hatten.

Sieben junge Ablegerstöcke mit Königin aus 2017.

Bei den zweijährigen ist zu mindestens bei zwei die Schuld klar an der Reinvasion von LC-Stöcken zu sehen.

Der dritte hat immer sehr stark gebrütet, hatte immer ein flächiges Brutbild (für normale Imker schönes geschlossenes Brutbild), und hat sich nie richtig gewehrt.

Die meisten sind nun also Jungvölker, wobei zwei auch an Reinvasion eingegangen sind.

Interessant ist, dass einige der jungen Ablegerstöcke aus 2017 wissentlich mehr Milben hatten wie die, die eingegangen sind, was daran lag, dass die Muttervölker von denen, die nicht gestorben sind einen höheren Befall bei den Kontrollen durch öffnen der Brut aufzeigten, und so auch mehr an den jungen Ableger weitergegeben hatten.

Daran sehen wir nun wieder sehr schön, dass diese Muttervölker, die zwar einen etwas höheren Befall hatten, aber im Umgang mit den Milben schon etwas besser geübt waren. Wir wollen bei diesen Muttervölkern aber sicher noch nicht von Survivors sprechen, das dauert noch ein wenig. Bei einigen musste auch im Herbst mit einer Brutentnahme nachgeholfen werden.

Fakt ist aber, dass die jungen, die es nicht überlebt hatten, von Stöcken abstammen, die es noch nie gelernt hatten mit der Milbe umzugehen, und so auch überhaupt keine Infos an die Ableger abgegeben haben.

Im Herbst mussten dann die oben genannten Jungvölker mit einer neuen Königin durch eine Krise, die Sie eben alleine nicht durchgestanden hatten.


Hier jetzt noch ein extra Bericht über den Verlauf des Hospitals bei diesem Praktiker:
Im letzten Jahr hatten einige der zweijährigen Stöcke eine frühe Krise, bei denen er mit einer Brutentnahme eingriff und Ihnen so einen Neustart ermöglichte.
Da fielen dann große Mengen an Brutwaben an, die viel zu schade zum ausspülen und natürlich sowieso zum einschmelzen waren.
Auf einem separaten abgeschotteten Standplatz, dem Hospital, wurden zwei normale Stöcke aufgestellt und nacheinander die Zargen mit den mit vielen Milben befallenen Brutwaben zum auslaufen draufgestellt.
Die zwei Völker waren dann irgendwann auf 5 Zargen voller Brutwaben.
Die Brutwaben waren natürlich enorm befallen und es hat sich in den Stöcken eine unglaubliche enorme Menge an Milben angehäuft.
Beide Stöcke wurden immer wieder geöffnet und das Verhalten darin beobachtet. Hauptsächlich waren die Bienen in den Stöcken natürlich Jungbienen, die für das ausputzen zuständig sind. Beide Stöcke hatten trotzt der enormen Menge an Milben ein sehr angenehmen ruhiges Verhalten, was nicht immer so ist. Einige werden stark aggressiv und nervös in solch einer Lage, was auch nicht immer ein gutes Zeichen sein muss.
Man hat hier auf eigentlich jeder Biene dann mit bloßem Auge eine oder auch zwei Milben gesehen.
Die Bienen hatten das jedoch erkannt und die ganze neue Brut gleich nach dem verdecken wieder ausgeräumt.
Auch hatten beide Stöcke im August wieder Drohnen-Brut angelegt.

Nachdem die Bienen da in der Krise das ganze Dilemma und die Gefahr erkannt hatten, und wir davon überzeugt waren, dass die es jetzt begriffen hatten, was eine Milbe ist und wie damit umzugehen ist, damit das nie mehr solche Ausmaße annimmt und man in Zukunft immer schon sehr viel früher damit beginnen muss die befallenen Zellen auszuputzen, wurde den Bienen durch folgende Sanierungsmaßnahme wieder geholfen aus dem ganzen Schlamassel herauszukommen:
Die Sanierung hat folgendermaßen ausgesehen:
Ich habe alle restliche Brut entnommen und ausgewaschen. Da konnte man jetzt sehr schön am Kot des Zellbodens sehen, dass da in fast jeder Zelle Milben waren.
Da da natürlich immer noch viel zu viele Milben auf der Wahnsinns Bienenmenge von 5 Zargen vorhanden war, musste mit denen auch was passieren, um das etwas zu reduzieren. Sonst hätten die da nie eine Chance bei den kalten Temperaturen eine ruhige Traube zu bilden, sofern die das überhaupt geschafft hätten, da die keine gesunde Winterbienen dazu hatten.
Also habe ich die ganze Bienenmasse in aller Ruhe in meine Kunstschwarmboxen abgefegt. Pro Stock habe ich da vier KS-Boxen mit Bienen gefüllt und dann sind natürlich immer noch viele Bienen herumgeflogen, die man da nicht bekommen hat.
Das macht aber auch nichts.
Die KS-Boxen bestehen bei mir aus Ikea Papierkörben mit einem Deckel, wo ich einen großen Trichter draufbekomme: http://www.ikea.com/de/de/catalog/products/80153254/
Darin habe ich die ganze Bienenmasse mit Puderzucker über einem großen Mörtelkübel gut durchgeschüttelt und die dann noch ca. ein bis zwei Stunden im Schatten wieder zur Ruhe kommen lassen. Da sind dann immer noch sehr viel Milben durch das Gitter gefallen. Den ganzen Puderzucker im Mörtelkübel habe ich in der Zwischenzeit mit einem feinen Sieb ausgesiebt. Das Sieb war dann natürlich schwarz vor lauter Milben (Wenn ich die zum Stückpreis von 1€ hätte verkaufen können.... :wink: ). Ich habe die dann in einem Erdloch vergraben!

Dann habe ich pro Stock zwei Zargen gerichtet, in die ich die rein geschüttet habe:
Die erste hat am Rand gut Ho+Po Waben und im Zentrum sehr gute leere Waben zum Brüten.
Als zweite Zarge habe ich jeweils eine volle Ho-Zarge mit Waben von anderen Völkern aufgesetzt.
Da drauf dann eine Leerzarge, in die ich die ganze Bienenmasse reingeschüttet habe. Die Leerzarge habe ich am nächsten Tag dann wieder abgenommen, was nicht einfach war, da alle Bienen in die zwei Zargen zu bekommen. Aber nachdem ich denen gesagt habe, dass die da jetzt etwas kuscheln müssen, hat das geklappt :wink:
Der Zeitpunkt für die Sanierung war der 17.08.2017. Einfach zur Orientierung für euch, da die ja jetzt erst anfangen konnten die Winterbienen zu erstellen.
Beide Stöcke hatten ja mit der zweiten Zarge genügend Honig als Vorrat und mussten nicht mehr eingefüttert werden. Mitte September wurden dann beide nochmal kurz kontrolliert ob alles ok ist. Die hatten beide gut Brut und auch sogar wieder D-Brut angelegt. Somit war klar, dass die genügenden Bienen für den kommenden Winter produziert hatten und die wurden komplett in Ruhe gelassen.
Was wir euch jetzt nach dem Winter im Frühjahr noch sagen wollen ist einfach das:
Beide Stöcke leben und haben eine ausreichend schöne Größe um jetzt dann richtig loszulegen.
Und schön ist doch, wie man solch eine enorme Menge an Varroen in den Griff bekommen kann ohne Säuren oder Chemie. Fakt ist die leben noch!!!!
Wie die dazugelernt haben, werden wir weiter stark beobachten. :wink:


ABER VORSICHT:
Meine Idee des "Hospitals" war eine komplett andere. Ich wollte die Bienen praktisch dazu zwingen, es zu lernen, mit den Varroen umzugehen. Dazu stellte ich einzargige Stöcke an einem von anderen Stöcken weit entfernten Standplatz auf und gab ihnen im Herbst einige Zargen mit Brut aus Varroaproblemvölkern .

Auf diese Idee kam ich aus meinen Erfahrungen als die Varroa hier ankam. Damals trat die Varroa im Süden, weit entfernt von uns hier im Norden, als erstes auf. Ich brachte meine besten, schon kleinzelligen"!!!! Völker dorthin und infizierte sie absichtlich mit vielen Varroen aus fremden Stöcken. Und dann machte ich "nichts". Auf Gedeih oder Verderben. Und siehe da einige überlebten das und das war mein Startkapital.

Nun machte ich es mit dem Hospital ganz ähnlich, nur mit extrem vielen Varroen. Und es passierte dasselbe. Ich überlies diese Völker sich selber und sagen wir mal 20% schafften es derat viele Varroen zu bekämpfen und wurden dann sehr schöne Völker.
Die Idee war, dass enorm starke Völker es sogar schaffen müssten derat viele Varroen wegzuputzen. Und es geht, aber man muss mit einer hohen Ausfallrate rechnen. Aber für mich hat es sich rentiert, denn es ist für mich nicht die Menge, sondern die Qualität Ausschlag gebend. Wenn Bienen in der Lage sind derat viele Milben auszuräumen, dann kann man sehen, dass es nicht darum geht ob es die Bienen können, sondern es geht darum, ob wir ihnen die richtigen Voraussetzungen gegeben haben.

Das ist genau das Gegenteil was ich mit dem Hospital gemacht habe!!!!!
Dadurch unterstützt du nicht die Völker im Lernprozess wie sie mit den Varroen umgehen müssen.
Denn jeder Stock MUSS durch eine oder mehrere Krisen:
http://resistantbees.com/krise.html

Wir müssen da komplett weg vom herkömmlichen Imkerdenken.
Jeder, sogar der Imker mit den wenigsten Stöcken, ist heutzutage ertragsorientiert wie es scheint. Alles Handeln mit den Bienen wird danach ausgerichtet. Zucht, Wandern, Fütterung, Stockmangement geht alles auf Kosten der Bienen. Die Bienen wollen und brauchen es anders, ABER der Imker weiss ja wie man es machen muss!!!

Gerade hab ich ins Buch über Rudolf Steiners Vorträge über die Bienen rein gelesen.
Die Vorträge waren im Jahr 1923/24. Und da wird von den Imkern berichtet, dass sie MAXIMAL 20% des Honigs ernteten und man den Bienen den Rest belassen muss!
Kurz zuvor fing das an mit der Bienenzucht.
Und wie sieht das heute aus?
20 kg Honig aus einem einzargigen Volk herausgepresst, das dann eh eingeht. und von starken Völkern 100kg ernten und dann "AUFFÜTTERN!!!!" mit Zuckerwasser. Was für beschissene Werte haben wir da aufgebaut, wo wir so mit den Bienen umgehen müssen. Und wer bedenkt, dass unser aller Wohlergehen von den Bienen abhängig ist!
liebe Grüße
bee

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